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27. April 2012

Folgen der Klimaänderung für die Landwirtschaft

Die Klimaerwärmung trifft ganz besonders die Landwirtschaft. Das Land Oberösterreich und die Österreichische Hagelversicherung luden den international renommierten Klimaforscher Prof. Dr. Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg zu einem Pressegespräch nach Linz. Im Fokus standen die Folgen der Klimaerwärmung für die Landwirtschaft.


Im Bild (von li.): Agrarlandesrat Max Hiegelsberger, Klimaforscher Prof. Hartmut Graßl, Vorstandsvorsitzender Dr. Kurt Weinberger

Prof. Dr. Hartmut Graßl: Erderwärmung ist Realität –
Wachsende Risiken für die Landwirtschaft

Wien (Österreichische Hagelversicherung, 27. April 2012): In der Klimaforschung steht längst fest – die Veränderung des globalen Klimas ist bereits Realität. 2011 richteten zahlreiche Naturkatastrophen weltweit erneut verheerende Schäden an. Auch wenn vergangenes Jahr das Erdbeben in Japan den größten Anteil am Schadensausmaß hatte, 90% der Naturkatastrophen waren die Folge von Wetterextremereignissen wie etwa Stürmen, Überschwemmungen oder Dürren. 2011 war das Jahr in der Geschichte, das der internationalen Versicherungswirtschaft am teuersten kam. Laut Münchener Rückversicherung lagen die gesamtwirtschaftlichen Schäden mit umgerechnet 380 Mrd. US Dollar um fast zwei Drittel höher als im bisherigen Rekordjahr 2005 (220 Mrd. US Dollar). Dazu Prof. Graßl: „Wir befinden uns auch in Mitteleuropa mitten im Klimawandel und die Landwirtschaft gehört zu den am stärksten betroffenen Sektoren der Volkswirtschaft. Durch das Verbrennen fossiler Energie kommt es zu einer dramatischen Erhöhung der globalen Temperatur.“ (Grafik 1)

Der international renommierte Klimaforscher erwartet, dass durch die Erderwärmung die Wetterextremereignisse wie Dürre, Spätfrost, Stürme und Hagel zunehmen werden. Das Dauergrünland werde nach derzeitigem Wissen besonders verwundbar sein, wenn der Jahresniederschlag nur 600 mm beträgt. „Die Heftigkeit von Niederschlagsereignissen nimmt ebenso durch die Erderwärmung im Mittel zu, auch wenn die Niederschlagsmenge insgesamt gleichbleibt. In diesem Zusammenhang ist auch mit einer Verlagerung der Niederschläge in das Winterhalbjahr zu rechnen (Grafik 2), dh. in der Vegetationsperiode steht deutlich weniger Wasser zur Verfügung, was in der Landwirtschaft zu entsprechenden Ertragsausfällen durch Trockenheit führen wird“, so Prof. Graßl.

Landesrat Max Hiegelsberger:
Landwirtschaft leistet positiven Beitrag beim Klimaschutz

"Die Landwirtschaft ist vom Klimawandel sehr stark betroffen", stellt Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger fest "Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Akteur beim Kampf gegen den Treibhauseffekt, insbesondere durch die Produktion von erneuerbarer Energie."

Die Landwirtschaft muss daher offensiv auf den Klimawandel reagieren: Durch Maßnahmen in der Produktion (Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Düngung, Humuswirtschaft usw.) sowie durch die Steigerung der Energieeffizienz werde noch stärker als bisher ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Gleichzeitig sei etwa in der Sorten- und Standortwahl auf die geänderten klimatischen Bedingungen zu reagieren.

Künftige Anpassungsmaßnahmen

Am anpassungsfähigsten an Klimaveränderungen zeigt sich der Ackerbau im Gegensatz zu Grünland oder Dauerkulturen. Etwa durch eine vielfältigere Produktion kann das Risiko von Totalausfällen, sowohl auf eine Region als auch auf den Einzelbetrieb bezogen verringert werden. Eine kleinstrukturierte Landwirtschaft ist hier ebenfalls anpassungsfähiger und flexibler.
Zunehmend an Bedeutung gewinnen, wird die langfristige Sicherstellung der Wasserversorgung, auch durch die Verbesserung der Effizienz bestehender Bewässerungssysteme und von Verdunstungssystemen, wie etwa Windschutzhecken, Mulchdecken, reduzierte Bodenbearbeitung oder die Verbesserung der Bodenstruktur.
Auch die Umstellung von Fruchtfolgen wird eine geeignete Anpassungsmaßnahme sein. In den trockenen Regionen sollten mehr Winterungen als Sommerungen angebaut werden. Eine Anpassung der Anbautermine durch die Vorverlegung im Frühjahr und eine Verschiebung im Herbst kann dieses Problem ebenfalls verringern.
Mittelfristig wird es auch verstärkt zum Anbau neuer stresstoleranterer Sorten sowie Wärme liebender spät reifender Sorten und Arten kommen müssen.
Dem Problem der Schädlingsbekämpfung wird auch durch ein konsequentes und zielgerichtetes Monitoring von Schädlings- und Krankheitsauftreten sowie die Sicherstellung entsprechender Beratung für den Landwirt noch mehr entgegen zu treten sein.
Für den Landwirt wird es in Zukunft auch immer wichtiger werden für ausreichend Versicherungsschutz gegen klimatische Extremereignisse zu sorgen.

Klimawandel beeinflusst internationale Agrarmärkte

"Der Klimawandel hat auch einen Einfluss auf die internationalen Agrarmärkte. Durch die Globalisierung und den Abbau von Marktordnungs-Maßnahmen wie etwa der Intervention schlagen Ertragsschwankungen direkt auf die Preise der Bauern und der Konsumenten durch. Diese Schwankungen werden durch den Klimawandel noch verstärkt und bieten Spekulanten neue Möglichkeiten, in kurzer Zeit viel Geld zu gewinnen", stellte der Agrar-Landesrat weiter fest.
Die heimischen Landwirte müssen daher Überlegungen anstellen, wie sie am besten die klimatischen und die wirtschaftlichen Risiken begrenzen können. Eine bewährte Möglichkeit der Risikostreuung ist beispielsweise ein gemeinsamer Marktauftritt von Landwirten – wie beispielsweise unter der Dachmarke „Genussland OÖ“ sowie ein regionale Vermarktung heimischer Lebensmittel.

Die heimische Landwirtschaft auf Kyoto-Kurs

"Die Landwirtschaft ist der einzige Sektor, der bei der Reduktion der Klima schädigenden Emissionen auf Kyoto-Kurs ist. Der forcierte Klimaschutz ist aber auch weiterhin ein Gebot der Stunde", erklärt Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.
Einen zentralen Stellenwert nehme die Energiefrage ein – Oberösterreich ist Vorreiter bei Biogas, Ökostrom und Photovoltaik. Auch im Bereich Windenergie werden Initiativen gesetzt. Ziel ist es, einen breiten Mix bei der Nutzung von Alternativenergie zu erhalten.

Kyoto-Vorbild

Im Gegensatz zu allen anderen Sektoren hat die Landwirtschaft in Österreich die Treibhausgasemissionen seit 1990 um 14 Prozent reduziert und damit das Kyoto-Ziel bereits erfüllt. Ressourcenschonende Landwirtschaft, Reduktion des Stickstoff-Dünger-Einsatzes, Ausbau der Biomasse für Nahwärme-Gemeinschaftsanlagen, Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen und Strom aus Biogasanlagen sind erfolgreich umgesetzte - Beispiele für klimafreundliche Landwirtschaft.

Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung:
Als Naturkatastrophenversicherer vom Klimawandel massiv betroffen – aber rechtzeitig reagiert

Die Welt ist neben der Finanzkrise insbesondere mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Faktum ist: Innerhalb der Volkswirtschaft ist die Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel wie kein anderer Sektor durch das klimabedingt wachsende Unwetterrisiko bedroht“, betont Dr. Weinberger. Nicht nur längere Trockenperioden treffen die Landwirtschaft hart. Das verstärkte Auftreten von extremen Wetterereignissen, ob Sturm, Hochwasser oder Hagel verursacht Ernteausfälle und damit immensen wirtschaftlichen Schaden. Auf diese Entwicklung hat die Hagelversicherung mit der umfassendsten Produktpalette Europas rechtzeitig reagiert. Neben Hagel werden mittlerweile neun weitere Risiken wie z. B. Frost, Trockenheit, Sturm und Überschwemmung in Deckung genommen. „Wir werden auch in der Zukunft mit neuen Produkten Antworten auf die Zunahme von Wetterextremereignissen geben“, ergänzt Weinberger.

Langjähriges Engagement für mehr Klimaschutz

Durch den Trend der steigenden Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen und der größeren Vielfalt der auftretenden Wetterextreme hat die Hagelversicherung als Naturkatastrophenversicherer ein existenzielles Interesse an Klimaschutz. Der Klimawandel braucht nicht nur Worte sondern Taten. Bereits seit neun Jahren wirbt daher die Österreichische Hagelversicherung für den Kauf heimischer Produkte mit kurzen Transportwegen. „Ein stärkerer Konsum heimischer Lebensmittel macht doppelt Sinn – denn damit werden nicht nur die Umwelt und das Klima geschont sondern auch die heimische Wirtschaft durch die Sicherung Tausender Arbeitsplätze gestärkt“, so Weinberger abschließend.

Rückfragen-Kontakt:
Mag. (FH) Markus Simak, Österreichische Hagelversicherung, Tel. +43 1 403 16 81-48
Mag. Martina Anzengruber, Presse Büro LR Hiegelsberger, Tel. 0732/7720-11820

Zentrale in Wien
01 / 403 16 81 - 0
office@hagel.at

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