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17. Juni 2013

Täglich verliert Österreich 20 Hektar an Boden – Zunehmende Verbauung beschleunigt Klimawandel

Nicht die Zukunft verbauen

Linz (17. Juni 2013):„Wir müssen dem Bodenschutz zum Durchbruch verhelfen. Dazu sollten wir Bewusstsein schaffen, dass der Boden die Basis für unser Leben ist. Mit einer bodenschonenden Raum- und Verkehrsplanung im Heute machen wir das Klima von morgen und verbauen damit nicht die Zukunft unserer Kinder“, appellieren gemeinsam Max Hiegelsberger, Karl Kienzl und Kurt Weinberger.

v.l.n.r:Generaldirektor Dr. Kurt Weinberger (Hagelversicherung), Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Dr. Karl Kienzl (Stv. Geschäftsführer Umweltbundesamt)

Foto v.l.n.r: Generaldirektor Dr. Kurt Weinberger (Hagelversicherung), Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Dr. Karl Kienzl (Stv. Geschäftsführer Umweltbundesamt))

Fakten zum Flächenverbrauch:

  • 2,2 m2 gehen in Österreich pro Sekunde durch Verbauung für immer verloren.
  • Täglich wird in Österreich ein Bauernhof mit einer Fläche von rund 200.000 m2 (=20 ha) verbaut. Also umgerechnet 28 Fußballfelder. Pro Jahr sind das 7.000 ha oder rd. 10.000 Fußballfelder
  • In 20 Jahren sind das 140.000 ha in Österreich (entspricht der gesamten Ackerfläche des Burgenlands).
  • In den letzten 60 Jahren wurden rund 300.000 ha Böden versiegelt (entspricht mehr als der Größe der Ackerfläche Oberösterreichs)
  • 1950 standen in Österreich noch 2.400 m² Ackerfläche/Kopf zur Verfügung - heute nur mehr 1.600 m²
  • 0,5 % der Böden werden im Jahr in Österreich versiegelt. In 200 Jahren wäre damit die gesamte Ackerfläche Österreichs verbaut. In Deutschland werden nur 0,25 % der Agrarflächen verbaut.

Pro Quadratmeter intaktem Boden mit einer Tiefe von 30 Zentimeter leben…

  • je 50 Spinnen, Asseln und Schnecken
  • 100.000de Milben
  • 1.000de Borstenwürmer und Rädertiere
  • 100te Käfer und Larven
  • 80 Regenwürmer
  • Milliarden von Pilzen und Bakterien

Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger

Ressource Boden: Landwirtschaftliche Flächen gehen verloren

„In den vergangenen 60 Jahren ging ein Viertel der damals noch genutzten landwirtschaftlichen Fläche verloren. Heutzutage werden täglich rund 11 Hektar landwirtschaftlicher Fläche für Verkehr, Industrie, Wirtschafts- und Wohnraum verwendet und auf Dauer einer anderen Verwendung zugeführt. Rechnet man Freizeit- und Bergbauflächen mit ein, sind dies über 20 Hektar pro Tag“, erläutert Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Der Mensch braucht den Boden in verschiedener Art und Weise. Einerseits zur Nahrungsmittel- und Futtermittelproduktion (landwirtschaftliche Nutzfläche), andererseits zur Holznutzung (Wald). Wo der Mensch baut, ist der Boden für immer versiegelt. Das Regenwasser verschwindet rasch in der Kanalisation, statt zu verdunsten oder im Boden gespeichert zu werden. So führen Bauwerke, die den Boden undurchlässig machen zur Bodenversiegelung. Das bedeutet, dass der Boden keinen Niederschlag mehr aufnehmen kann und so viele der dort normalerweise ablaufenden Prozesse gestoppt werden. Lebensraum für Bodenlebewesen und Pflanzen geht verloren.

Böden sind unsere Lebensgrundlage und erfüllen viele lebensnotwendige Funktionen: Sie sind Grundlage für Nahrung, Futtermittel und Energie. Sie sind wichtige Kohlendioxid- und Wasserspeicher und Lebensraum. Täglich werden in Österreich mehr als 20 Hektar an Boden für Verkehr, Gebäude, Infrastruktur und Freizeitzwecke verbraucht. Dabei gehen alle biologischen Funktionen verloren. In der Regel verursacht der Siedlungsbau den Verlust besonders ertragreicher Böden. Die in den letzten Jahren aufgetretene deutliche Zunahme an Siedlungsgebiet geht in erster Linie auf Kosten von Acker- und Grünlandflächen.

Der natürliche Kohlenstoff-Kreislauf ist damit unterbrochen, der Boden mit seinen Pflanzen geht als Kohlendioxid-Speicher verloren. Zudem werden die verbleibenden landwirtschaftlichen Flächen einem steigenden Nutzungsdruck zwischen Lebensmittel-, Futtermittel und Bioenergieanbau ausgesetzt. Ein flächensparender und ressourcenschonender Umgang mit den Böden ist daher auch aus Sicht des Klimaschutzes erforderlich. Seit 1950 sind die bewirtschafteten Ackerflächen pro Kopf um ein Drittel gesunken.

Obwohl die Bevölkerungsanzahl nur geringfügig steigt, nimmt die bebaute Fläche pro Person in Österreich zu. Gleichzeitig wächst die Zahl ungenutzter, bereits bebauter Flächen, das sind Industrie-, Gewerbe- und Wohnbrachflächen.

Langfristige Trends zeigen Rückgang landwirtschaftlicher Flächen

Der langfristige Trend der letzten 50 Jahre zeigt einen deutlichen Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Hinzu kommt, dass es sich dabei nahezu um ausschließlich besonders hochwertige landwirtschaftliche Böden in Gunstlagen handelt. Im EU-Vergleich ist die jährliche Flächeninanspruchnahme in Österreich überdurchschnittlich hoch.

Das Fehlen von Versickerungsfläche erhöht die Hochwassergefahr. Die Grundwasserbelastung und Stoffkonzentration steigt, da bei punktueller Versickerung des Niederschlages weniger Nähr- und Schadstoffe im Boden gefiltert werden. Der natürliche Wasserkreislauf ist gestört.

„Wenn wir diese Entwicklung nicht stoppen ist bereits in einem Jahr so viel wie die gesamte landwirtschaftliche Fläche Wiens (7.300 ha) und in 35 Jahren so viel wie die gesamte Fläche Vorarlbergs (256.000 ha) verbaut. Das wäre dramatisch“, warnt Landesrat Hiegelsberger.

Dr. Kurt Weinberger, Hagelversicherung:

Bodenzerstörung gefährdet Lebensmittelversorgungssicherheit und Klimaschutz

Mit dem raren Gut Boden wird in Österreich viel zu sorglos umgegangen. Der Österreichischen Hagelversicherung als Naturkatastrophenversicherer der Landwirtschaft liegt enorm viel daran, dass der tägliche Verlust von rund 20 Hektar Boden - das ist die Größe eines durchschnittlichen heimischen Bauernhofs - umgehend und deutlich reduziert wird. Denn das Verbauen und Versiegeln von wertvollem Acker- und Grünland für Verkehrs-, Industrie- und Siedlungszwecke hat negative ökologische und wirtschaftliche Folgen. Wirtschaftliche Konsequenzen deshalb, weil damit täglich die Lebensmittelversorgungssicherheit Österreichs reduziert wird und wir zunehmend von Lebensmittelimporten abhängig werden. Ökologische Folgen, weil der Boden als CO2-Speicher (Photosynthese) entscheidend für eine funktionierende Umwelt ist. Wenn derart große Flächen des CO2-Speichers ‚Boden' versiegelt werden, wird der Klimawandel mit einer Zunahme von Wetterextremereignissen beschleunigt. Mit einem Wort: Boden ist ein wichtiger Klimaschutzfaktor.
Auch die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern und zurückzuhalten, fällt weg, was zu entsprechenden negativen Folgen führt.

"Deshalb ist es wichtig, dass sich diese existenzgefährdende Entwicklung rasch verlangsamt. Daher unterstützen wir als Naturkatastrophenversicherer alle Maßnahmen auf Länder- und Bundesebene, die zu einer spürbaren Reduktion des Bodenverbrauchs führen“, erklärte Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.

Dr. Karl Kienzl, Umweltbundesamt

Stopp dem Bodenverbrauch

„Die Flächeninanspruchnahme ist ein globales Thema und wird zur Herausforderung für die Zukunft“, so Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer im Umweltbundesamt. Jedes Jahr werden in der EU Flächen in der Größe von Berlin verbaut. Rund die Hälfte davon wird versiegelt. Wichtige Bodenfunktionen wie die Speicherung von Wasser und Kohlenstoff gehen dabei verloren. Seit 2012 gibt es neue EU-Guidelines zur Begrenzung der Bodenversiegelung. Dafür hat das Umweltbundesamt die wissenschaftlichen Grundlagen entwickelt.

Landimport

Zwei Drittel der Konsumgüter, die in der Europäischen Union verbraucht werden, benötigen zu ihrer Herstellung Böden, die außerhalb der EU liegen. Viele importierte Nahrungsmittel werden auf Böden produziert, die nicht besonders ertragreich sind, während in Europa wesentlich hochwertigere Böden verbaut werden. „Um unseren Lebensstil aufrecht zu erhalten, importieren wir etwa die Fläche von Europa. Und bei der Fortsetzung der bestehenden globalen Entwicklung wird uns diese Fläche außerhalb Europas langfristig nicht zur Verfügung stehen“, erläutert Kienzl.

Dem Flächendruck entgegen wirken

"Wir müssen mit unseren Böden wesentlich sorgsamer umgehen. Nachhaltiges Flächenmanagement ist ein Gebot der Stunde“, so Karl Kienzl weiter. Das Ausweisen von Vorrangflächen für die landwirtschaftliche Produktion, für Hochwasser-Rückhaltezonen und für Naturräume kann dazu einen Beitrag leisten. Ebenso ist im Rahmen von UVP und SUP Verfahren die Prüfung des Bodenverbrauchs zweckmäßig. Jedenfalls sollte das Potenzial der Innenentwicklung genutzt und Industrie- und Gewerbebrachflächen Vorrang gegenüber Ansiedelungen auf der grünen Wiese gegeben werden.

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Seit 1.1.2017 wurden
m² Agrarfläche in Österreich verbaut.
Das entspricht der landwirtschaftlichen Fläche von
Bauernhöfen.
Schützen wir das Land,
von dem wir leben!