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13. Dezember 2012

Fachtagung Flächenverbrauch: „Täglich verschwinden in Österreich 20 ha Boden“

Im EU-Vergleich ist der Flächenverbrauch in Österreich überdurchschnittlich hoch

Wien (Österreichische Hagelversicherung, 13. Dezember 2012): „Der langfristige Trend der letzten 50 Jahre zeigt einen deutlichen Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Bei Ackerflächen sind dies rund 300.000 ha, die der Versiegelung zum Opfer fallen und bei Grünland umfassen die Flächenverluste etwa 570.000 ha. Pro Tag werden mittlerweile 20 ha Flächen verbraucht, was jährlich in etwa der Größe der Stadt Salzburg entspricht. Hinzu kommt, dass es sich dabei nahezu um ausschließlich besonders hochwertige landwirtschaftliche Böden in Gunstlagen handelt. Ein Maßnahmenkatalog, der eine Trendumkehr in die Wege leitet, ist unser vorrangiges Ziel. Schließlich gilt es den Boden zu erhalten und bestmöglich für unsere nachfolgenden Generationen zu schützen“, erklärte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, bei der Fachtagung zum Thema  „Bodenverbrauch in Österreich – Ist die Versorgungssicherheit in Gefahr?“, die im LK-Festsaal in Wien in Kooperation mit dem Landwirtschaftsministerium, Umweltbundesamt und der Österreichischen Hagelversicherung veranstaltet wurde.

Enormer Bodenverbrauch durch Versiegelung und Bebauung
Für die Landwirtschaft ist der Boden die wichtigste Produktionsgrundlage. Zudem erfüllen Äcker und Wiesen  zahlreiche Funktionen wie insbesondere die Regulierung des Naturhaushalts, sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen und bieten zahlreiche Schutzwirkungen wie Wasserrückhalt und Wasserspeicherung. Unsere Böden dienen dem Erhalt der Biodiversität oder  Kohlenstoffspeicherung und sind nicht zuletzt Lebens- und Erholungsraum für den Menschen. Im EU-Vergleich ist die jährliche Flächeninanspruchnahme in Österreich überdurchschnittlich hoch. Gleichzeitig wächst aber der Bestand an brachliegenden Industrie- und Gewerbeflächen, der rund ein Drittel des jährlichen Flächenbedarfs abdecken könnte.

Nur rund ein Drittel der Gesamtfläche des Gebirgslands Österreich eignet sich als Dauersiedlungsraum. 15 % davon sind bereits Österreich weit „verbraucht“. Der Flächenverbrauch in Form von Versiegelung und Bebauung nimmt jedoch immer größere Dimensionen an und entzieht der Landwirtschaft zumeist Böden mit dem höchsten Ertragspotential.

„In den vergangenen 60 Jahren ging ein Viertel der damals genutzten landwirtschaftlichen Fläche verloren. Heutzutage werden täglich rund 11 Hektar landwirtschaftlicher Fläche für Verkehr, Industrie, Wirtschafts- und Wohnraum verwendet und auf Dauer einer anderen Verwendung zugeführt. Rechnet man Freizeit- und Bergbauflächen mit ein, sind dies über 20 Hektar pro Tag“, erläuterte Wlodkowski.

Berlakovich: „Gesunder Boden ist Basis für nachhaltige Landwirtschaft“
„Ein gesunder Boden mit intakten Funktionen ist die Grundlage für eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft. Wir müssen damit verantwortungsvoll umgehen. Daher ist der Erhalt und der Schutz des Bodens ein vorrangiges Ziel. In der Landwirtschaft gehen wir im Hinblick auf die nachhaltige Bodennutzung schon lange einen erfolgreichen Weg. Das zeigt sich unter anderem durch die hohe Teilnahme der Landwirte an den Maßnahmen des Umweltprogramms. Nicht umsonst liegt Österreich EU-weit bei der Bioproduktion im Spitzenfeld,“ unterstrich Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich.

Pernkopf: „Aktive Flächenpolitik notwendig!“
"Der Boden ist eine wichtige Lebensgrundlage für uns alle. Unsere Lebensmittel werden auf den Böden produziert und Bodenfruchtbarkeit ist eng verbunden mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Aktive Flächenpolitik ist aber nicht nur aus ökologischen Gründen von Bedeutung. Die wachsende Zersiedelung in den Gemeinden führt zu stark wachsenden Kosten. Kompakte Siedlungsstrukturen sind im Gegensatz dazu für das Gemeindebudget eine große Entlastung. Ortszentren mit Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Einrichtungen ermöglichen Austausch unter den Bewohnerinnen und Bewohnern und sorgen für Leben und Zusammenhalt in den Gemeinden", unterstrich der Präsident des Ökosozialen Forums, Stephan Pernkopf.

Hagelversicherung: Alarmierend hoher Bodenverbrauch – Gefahr von mehr Unwettern
Die Österreichische Hagelversicherung hat als Naturkatastrophenversicherer der Landwirtschaft großes Interesse an einer deutlichen Reduktion des Bodenverbrauchs. „2,2 m2 gehen in Österreich pro Sekunde durch Verbauung verloren. Der Bodenverbrauch ist alarmierend hoch. Dies hat sowohl negative wirtschaftliche als auch klimatische Folgen. Zum einen verringert sich unsere Produktionsgrundlage für Nahrungs- und Futtermittel. Zum anderen wird mit jeder Versiegelung des CO2-Speichers ‚Boden' der Klimawandel, das heißt die Erderwärmung, beschleunigt und die Gefahr von mehr Unwettern noch größer. Aus diesem Grund ist eine Verlangsamung des Bodenverbrauchs dringend notwendig“, betonte Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung.

Reduktion des Flächenverbrauchs ist Beitrag zu Klimaschutz
Neben den ökologischen Funktionen (Ausgleichsfunktion, biogenetische Funktion, Infrastruk-turfunktion, Rohstofffunktion) ist aus Sicht der Landwirtschaft die Produktionsfunktion entscheidend. Diese Bodenfunktion ist unmittelbar mit der Abdeckung der lebensnotwendigen Grundbedürfnisse der Menschheit verbunden, daher ist die Erhaltung des Bodens für die Bauernvertretung vorrangiges Ziel. Im Zusammenhang mit dem Klimaschutz ist zu bedenken, dass versiegelte Flächen einen doppelt negativen Effekt bewirken: Es entfällt die Möglichkeit der C-Speicherung, zudem werden durch die Versiegelung und durch die Nutzung der versiegelten Fläche Treibhausgase freigesetzt. (Bautätigkeit, Wohnen, Verkehr, Industrie und Gewerbe). Berechnungen zeigen, dass auf diesen Flächen je nach Aktivität zwischen 180 bis 450 Tonnen CO2 Emissionen je Hektar und Jahr freigesetzt werden“, stellte der LK Österreich-Präsident abschließend fest.


Für fachliche Rückfragen:

Mag. Martin Längauer, Tel. 01/53551- 8574, E-Mail m.längauer@lk-oe.at
Kontakt LK-Pressestelle: Ludmilla Herzog MAS, Tel. 01/53441-8522, E-Mail l.herzog@lk-oe.at>

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