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28. April 2015

BK Hartberg-Fürstenfeld: Der Boden ist unsere Lebensgrundlage, aber wir treten ihn mit Füßen

Böden sind Kulturgüter ersten Ranges, sind schützenswert und verdienen mehr Respekt

Boden.Leben.Bauer. Hartberg

Foto (Copyright: Alfred Mayer) – v. li.: Kammerobmann Johann Reisinger, Bezirksbäuerin Maria Haas, Dr. Kurt Weinberger, Kammerobfrau Friederike Hammerlindl, LAbg. Hubert Lang

Wien (Österreichische Hagelversicherung, 28. April 2015): Im Rahmen der Woche der Landwirtschaft zum Thema „Boden.Leben.Bauer. – Wir schau’n drauf!“ lud die Bezirkskammer Hartberg-Fürstenfeld, Kammerobmann Ök.-Rat Johann Reisinger, gestern am Abend zu einer Veranstaltung in das MAXOOM in Hartberg ein. Rund 200 Interessierte informierten sich über die endlose Ressource Boden und dessen Verschwendung. Neben Gerald Dunst, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Sonnenerde, die bestmögliche Kompostqualitäten und in der Folge optisch ansprechende, gut riechende, leicht verarbeitbare und ökologisch wertvolle Fertigerden herstellt, wies Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, auf die Notwendigkeit des Schutzes heimischer Agrarflächen vor der zunehmenden Verbauung hin.

Österreich ist „Europameister“ bei der Verbauung und Zerstörung fruchtbarer Böden

Österreich hält bei der Verbauung und Zerstörung der fruchtbaren Böden einen Negativrekord in Europa: Täglich werden in Österreich 22,4 Hektar wertvolle Wiesen und Äcker für Straßen, Siedlungen, Shopping-Center oder Industriehallen verbaut. Alleine in der Steiermark werden 5,8 Hektar pro Tag und damit rund 2.100 Hektar pro Jahr wertvolle Flächen oder 0,96 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen versiegelt. Das bedeutet, dass bei Fortsetzung dieser Verbauungsintensität in rund 100 Jahren in der Steiermark die gesamte hochwertige Agrarfläche verbaut wäre.

Daher weist die Hagelversicherung schon seit einiger Zeit auf die überdurchschnittlich hohe Bodenversiegelung in unserer Heimat hin. Während in Österreich jährlich 0,5 Prozent der Agrarflächen verbaut werden, sind es im Nachbarland Deutschland – wo es eine strukturiertere Raumordnung gibt – nur 0,25 Prozent. Österreich verfügt im europäischen Vergleich mit 15 Meter pro Kopf über das dichteste Straßennetz (Vgl. Schweiz 8,7 Meter/Kopf und Deutschland 7,9 Meter/Kopf). Zudem ist Österreich mit 1,80 m² Supermarktfläche pro Kopf absoluter Spitzenreiter (in Italien oder Deutschland ist es beispielsweise nur 1 m²). Auf der anderen Seite gibt es laut Umweltbundesamt 130.000.000 m² (= 13.000 Hektar) leer stehende Industriehallen, das entspricht der Fläche der Stadt Graz. Eine Revitalisierung dieser Brachflächen anstelle von Neubauten auf der „grünen Wiese“ würde – ebenso wie die Wiederbelebung von Ortskernen oder das vermehrte Bauen in die Höhe bzw. Tiefe – die Verbauung verlangsamen.

Verbauung: Weitreichende negative Folgen für die Volkswirtschaft

Heimische Lebensmittelversorgung: Durch die Versiegelung landwirtschaftlicher Nutzflächen wird die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig gefährdet und die Importabhängigkeit Österreichs noch größer.

Unwetterschäden nehmen zu: Der Boden als Wasser- und CO2-Speicher ist entscheidend für eine funktionierende Umwelt. Fällt der Boden durch die fortschreitende Versiegelung als Wasserspeicher weg, kann das Wasser bei Starkniederschlägen nicht mehr versickern. Schäden durch Hochwasser nehmen daher zu. Der Bodenverbrauch hat auch unmittelbaren Einfluss auf den Klimawandel. Wenn derart große Flächen des CO2-Speichers „Boden“ versiegelt werden, beschleunigt dies die Erderwärmung und damit die Zunahme von Wetterextremereignissen wie beispielsweise Dürreperioden.

Tourismus: Die Versiegelung hat auch unmittelbare Auswirkungen auf den Tourismus, denn ein zersiedeltes Land ist für den Fremdenverkehr weniger attraktiv. Die Verschandelung des Landes durch Verbauung bestätigen laut einer Market-Umfrage 2014 immerhin 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher.

Arbeitsplätze: Wenn täglich ein Bauernhof durch Verbauung zerstört wird, verliert die Landwirtschaft auch täglich Arbeitsplätze. Damit sind langfristig 500.000 Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Agrarsektors gefährdet.

Nicht die Zukunft der Kinder verbauen

Die Österreichische Hagelversicherung als Naturkatastrophenversicherer weist auf diese Fehlentwicklung mit dem Ziel hin, den Bodenverbrauch und seine negativen Folgen zu reduzieren. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, gibt es hochgerechnet in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr in Österreich. „Weltweit verlieren wir täglich 35.000 ha landwirtschaftlichen Boden. In der Europäischen Union gehen Tag für Tag rund 1.000 ha fruchtbares Agrarland durch Verbauung verloren. Und auch in Österreich sind wir leider bei der Zerstörung unserer Böden durch Verbauung mit über 22 ha Agrarfläche pro Tag Europameister. Wir müssen das Internationale Jahr des Bodens nutzen, um das Bewusstsein für die nicht vermehrbare Ressource Boden zu schaffen. Allen voran müssen die Menschen wieder Respekt vor dem Boden bekommen“, so Weinberger in seinem Vortrag.

BK-Obmann Ök.-Rat Johann Reisinger, Bezirksbäuerin Maria Haas und Dr. Kurt Weinberger abschließend: „Bedenken wir: Böden sind in mühsamer Arbeit entstanden, ihre Güte ist das Ergebnis einer Jahrtausende langen Bewirtschaftung durch Generationen von Bäuerinnen und Bauern. Sie sind Kulturgüter ersten Ranges, die man in dieser Form nicht zerstören darf. Böden sind schützenswert und verdienen Respekt. Denn nur mit ausreichend Boden können die Landwirte genug Lebensmittel für uns alle produzieren.“

Rückfragehinweis: Dr. Mario Winkler, ÖHV-Pressesprecher,
T. 01/403 16 81–42, m.winkler@hagel.at

Zentrale in Wien
01 / 403 16 81 - 0
office@hagel.at

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Seit 1.1.2017 wurden
m² Agrarfläche in Österreich verbaut.
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von dem wir leben!