Anweiden beim Pferd
Anweiden – Gefahren erkennen und Risiken gezielt reduzieren
Mit dem Frühling beginnt für viele Pferde die Weidesaison. Frisches Gras, mehr Bewegung und längere Tage wirken zunächst positiv. Gleichzeitig stellt genau diese Phase eine der sensibelsten Umstellungen im Jahresverlauf dar.
Viele gesundheitliche Probleme entstehen nicht durch das Weidegras selbst, sondern durch eine zu schnelle oder unzureichend gesteuerte Umstellung. Um Risiken gezielt zu reduzieren, ist es notwendig, die zugrundeliegenden Prozesse im Pferdekörper zu verstehen – und die Fütterung bewusst zu steuern.
Warum sich die Fütterung besonders im Frühjahr grundlegend verändert
Der Verdauungstrakt des Pferdes ist auf eine kontinuierliche Aufnahme strukturreicher Rohfaser ausgelegt. Heu erfüllt genau diese Funktion: Es sorgt für eine gleichmäßige Fermentation im Dickdarm und stabilisiert die Darmflora.
Frisches Gras unterscheidet sich davon deutlich:
- höhere Energiedichte
- geringerer Rohfaseranteil
- höhere Verdaulichkeit
- veränderte Kohlenhydratstruktur
Diese Unterschiede führen dazu, dass der Verdauungstrakt innerhalb kurzer Zeit völlig andere Anforderungen bewältigen muss. Besonders betroffen ist die mikrobielle Besiedelung im Dickdarm, die sich erst an die neue Futterzusammensetzung anpassen muss.
Fructan im Gras – Entstehung und Bedeutung
Gras produziert durch Photosynthese kontinuierlich Zucker. Wird dieser nicht direkt für Wachstum verwendet, speichert die Pflanze ihn in Form von Fructan.

Eine zu hohe Fructanaufnahme kann Koliken auslösen.
Der Fructangehalt ist kein fixer Wert, sondern variiert abhängig von Umweltbedingungen wie der Sonneneinstrahlung, der Temperatur und der Wasserverfügbarkeit. Gerade im beginnenden Wachstum im Frühling und vor allem in den frühen Morgenstunden wird mehr Fructan in die Pflanze eingelagert.
Da Fructan nicht im Dünndarm, sondern erst im Dickdarm verdaut wird, kann es zu vermehrter Säure- und Gasbildung kommen. Frisst das Pferd sehr schnell große Mengen, kann dies zu Koliken führen. Achten Sie vor allem bei Pferden mit Stoffwechselerkrankungen (PSSM, Cushing, Hufrehe, etc.) auf die aufgenommene Grasmenge und sprechen Sie vor dem Weidegang mit Ihrem Tierarzt.
Wie kann ich das Risiko minimieren?
Erfolgt die Umstellung zu rasch, kann es zu vermehrter Gasbildung, veränderter Darmbewegung und in weiterer Folge zu Schmerzen kommen. Diese Prozesse erklären, warum Koliken gerade in Phasen auftreten, in denen sich Fütterung und Haltung verändern. Ein hungriges Pferd frisst deutlich schneller und nimmt dadurch eine hohe Menge an Grasration und damit Fructan auf. Dies kann den Verdauungstrakt kurzzeitig überlasten.
Es empfiehlt sich, das Pferd vor dem Weidegang ausreichend mit Heu zu füttern. Dadurch wird vermehrt Speichel gebildet, der der Säure im Verdauungstrakt entgegenwirkt. Zusätzlich tritt ein Sättigungsgefühl ein, wodurch weniger und langsamer Gras aufgenommen wird.
Achten Sie zudem darauf, dass die Weidezeit langsam und kontinuierlich gesteigert wird.
Ein kontrolliertes, schrittweises Anweiden ist die entscheidende Voraussetzung, um Verdauungsstörungen und ernsthafte Erkrankungen im Frühjahr von vornherein zu vermeiden. So kann Ihr Pferd die Weidesaison gesund beginnen.
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Die Österreichische Hagelversicherung unterstützt Pferdehalterinnen und Pferdehalter dabei, finanzielle Belastungen im Krankheitsfall – etwa bei Koliken oder notwendigen Operationen – abzufedern. Weiterführende Informationen zu einer Lebens– und Krankenversicherung für Ihr Pferd finden Sie hier.
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*Dieser Beitrag enthält ausschließlich allgemeine Informationen und bietet keine spezifische tierärztliche Beratung, weshalb er nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Behandlung von Krankheiten verwendet werden darf. Der Beitrag erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der Information garantiert werden. Der Verfasser schließt jegliche Haftung in diesem Zusammenhang aus. Bei medizinischen Anliegen zu Ihrem Pferd und im Ernstfall sollten Pferdebesitzer stets den Rat ihres Tierarzts einholen.