25. März 2026

Gebissloses Reiten

Fotos von Reitern ohne Gebiss oder gar ohne Zaumzeug zeigen oft ein Bild von Freiheit und unendlichem Vertrauen. Viele Reiter träumen davon, ihr Pferd gebisslos reiten zu können. Doch ist diese spezielle Reitweise für jedes Pferd und jeden Reiter geeignet? Dieser Frage und vielen weiteren Besonderheiten des gebisslosen Reitens gehen wir in diesem Beitrag auf den Grund.

Was ist gebissloses Reiten?

Grundsätzlich muss man hier zwischen zwei Arten des Reitens unterscheiden: Reiten mit Kopfstück ohne Gebiss und Reiten ohne Kopfstück zum Beispiel mittels eines Halsrings. Je nach Art, wirkt man neben der Gewichtshilfe, der Körperspannung und der Stimmhilfe auf den Kopf oder den Hals des Pferds ein. Bei einem Kopfstück ohne Gebiss können die Zügel in Ringen angebracht werden. Je nach Verschnallung, wirkt die Reiterhand über den Zaum an unterschiedlichen Stellen des Pferdekopfs ein.

Was ist der Vorteil von gebisslosem Reiten?

Eine gebisslose Zäumung bietet vor allem bei Zahnproblemen, wie beispielsweise Zahnschmerzen, Schmerzen im Bereich des Zahnfleischs oder der Zunge eine Alternative zum Reiten mit Gebiss. Manche Pferde sind durch ihre Anatomie des Mauls so eingeschränkt, dass z.B. aufgrund einer sehr breiten Zunge kein Platz für ein Mundstück ist. Auch bei sehr maulempfindlichen Pferden oder auch maulstumpfen Pferden, kann ein gebissloses Kopfstück dem Pferd mehr Entspannung bei der Arbeit ermöglichen.

Gebissloses Reiten zeigt großes Vertrauen zwischen Pferd und Reiter.

Die Zäumungen für gebissloses Reiten

Die Zäumungen unterscheiden sich aufgrund der verschiedenen Schnallungen in ihrer Wirkung auf das Pferd. Je nach Verschnallung kommen die Hilfen unterschiedlich stark und präzise beim Pferd an. Die Zäumung kann entweder einfach oder mehrfach wirken. Bei der einfachen Wirkung entsteht der Druck bei Zügelführung auf Nase und/oder Wangen bzw. es wird Druck auf den Hals ausgeübt (Halsring).

Folgende gebisslose Möglichkeiten zum Reiten gibt es:

  • Bitless Bridle: Der Bitless Bridle wirkt auf Kiefer, Backen und Genick. Die Zügel werden an einem seitlich gelegenen Ring befestigt und es wird so Druck auf den Nasenrücken ausgeübt.
  • Bosal: Das Bosal besteht aus dem Nasenriemen (Bosal), Zügeln (Mecate) und einem Genickstück (Bosalhanger) und wird üblicherweise im Westernreiten eingesetzt. Die Wirkung erfolgt hauptsächlich über den Nasenrücken.
  • Glücksrad oder LG-Zaum: Beim Glücksrad oder auch LG-Zaum befindet sich seitlich ein Rad mit sechs Speichen. Die Zügel und der Zaum können daher an verschiedenen Stellen eingehängt werden, sodass sich das Rad unter Zug mehr oder weniger dreht und daher unterschiedlich viel Druck auf Nase und Genick ausübt.
  • Hackamore: Das Hackamore besitzt hebelartige Anzüge (Shanks), die auf Genick, Kinn und Nasenrücken Druck ausüben. Je länger die Shanks, desto stärker die Hebelwirkung.
  • Halsring: Halsringe wirken nicht direkt auf den Kopf des Pferds ein, sondern geben über den Hals eine Begrenzung vor. Hier gibt es sowohl steife Ringe als auch locker Leder- oder Baumwollriemen.
  • Kappzaum: Beim Kappzaum sind Ringe am Nasenriemen befestigt, die für das Einhängen von Zügeln verwendet werden können. Normalerweise dient der Kappzaum zum Longieren, manche Modelle ermöglichen aber auch ein Reiten mit und ohne Gebiss.
  • Sidepull: Beim Sidepull werden die Zügel an seitlichen Ringen eingehängt, wodurch bei einseitigem Zug Druck auf den Nasenrücken ausgeübt wird.

Welche Pferde können gebisslos geritten werden?

Prinzipiell kann jedes Pferd gebisslos geritten werden, allerdings sollte der Reiter die genauen Charaktereigenschaften seines Pferds kennen. Vor allem der Druck auf den Nasenrücken kann bei Pferden auch zu Abwehrreaktionen führen. Zu beachten ist, dass ein unsachgemäßer Einsatz, eine unpassende Passform oder eine grobe Reiterhand genauso, wenn nicht sogar eine noch größere Wirkung auf das Pferd haben können als das Reiten mit Gebiss. Man kann also nicht pauschal sagen, dass gebissloses Reiten besser oder schlechter für das Pferd ist, sondern es ist sich immer die Frage zu stellen: Wie sehr wirke ich wo auf mein Pferd ein und wie kommt mein Pferd mit dieser Einwirkung klar. Vor allem bei Zäumungen mit Hebelwirkung ist auf eine feine Reiterhand achtzugeben!

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das gebisslose Reiten eine Alternative zum Reiten mit Gebiss darstellt. Zu betonen ist, dass eine gebisslose Reitweise nicht automatisch tierfreundlicher ist oder weniger Einwirkung auf das Pferd bedeutet. Ein Zaum, ob mit Gebiss oder ohne, wirkt immer so intensiv auf das Pferd ein, wie die Hand des Reiters es tut. Konkrete Unterstützung können Sie bei erfahrenen Reittrainern einholen. Lassen Sie sich vor dem Kauf eines gebisslosen Zaums von Fachpersonal informieren und an Ihr Pferd anpassen.

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*Dieser Beitrag enthält ausschließlich allgemeine Informationen und bietet keine spezifische tierärztliche Beratung, weshalb er nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Behandlung von Krankheiten verwendet werden darf. Der Beitrag erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der Information garantiert werden. Der Verfasser schließt jegliche Haftung in diesem Zusammenhang aus. Bei medizinischen Anliegen zu Ihrem Pferd und im Ernstfall sollten Pferdebesitzer stets den Rat ihres Tierarzts einholen.

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