Heuqualität
Heu ist das wichtigste Futtermittel für eine gesunde und ausgewogene Pferdefütterung. Eine gute Heuqualität ist essenziell, um Erkrankungen wie beispielsweise Koliken oder Asthma, vorzubeugen. Wir haben Ihnen die wichtigsten Qualitätsmerkmale aufgeführt und erklären Ihnen in fünf einfachen Schritten, wie Sie die hygienische Qualität selbst beurteilen können.
Qualitätsmerkmale:
Die offensichtlichen Qualitätsmerkmale ergeben sich aus dem Geruch, der Farbe, der Struktur bzw. dem Gefüge und der Staubentwicklung. Daneben sind die Inhaltsstoffe jedoch für die Heuqualität ausschlaggebend. Der Gehalt an Nähr- und Mineralstoffen, Vitaminen und der mikrobiologischen Belastung beeinflussen die Qualität des Heus. Eine genaue Analyse der Nährstoffe und der mikrobiologischen Belastung in Ihrem Heu, können Sie von einem Futtermittellabor durchführen lassen. Wir haben die wichtigsten Begriffe und Kennzahlen einer labortechnischen Auswertung aufgelistet.
Die Nährstoffe werden in Gramm pro Kilogramm der Trockenmasse angegeben. Die Trockenmasse ist die Masse, die verbleibt, wenn der Wassergehalt abgezogen wird. Folgende Nährstoffgehalte sind empfohlen:
- Rohprotein: 70 – 100 g/kg Trockenmasse
- Rohfaser: 310 – 330 g/kg Trockenmasse
- Rohasche: 60 – 80 g/kg Trockenmasse
- Zucker: < 120 g/kg Trockenmasse
Diese Angaben können jedoch variieren, je nachdem ob es sich z.B. um ein Fohlen, eine Zuchtstute oder eine laktierende Stute handelt.
Die mikrobiologische Belastung im Heu wird mittels der Orientierungswerte (OW) nach VDLUFA (Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten E.V.) und den Keimzahlstufen (KZS) beurteilt. Wichtige Werte sind hier vor allem Bakterien, Schimmel- und Schwärzepilze sowie Hefen.
In Abhängigkeit von den Keimzahlstufen und den Keim-Gruppen erfolgt eine Gesamtbeurteilung der Qualität. Die Qualitätsstufen (QS) sind:
- QS I: Die Qualität ist normal
- QS II: Die Qualität ist gering oder mäßig herabgesetzt
- QS III: Die Qualität ist herabgesetzt oder deutlich herabgesetzt
- QS IV: Die Unverdorbenheit ist nicht gegeben
Wie kann ich die Qualität beurteilen?
Die einzelnen Nähr- und mikrobiologischen Werte können Sie zwar nicht prüfen, aber eine hygienische Beurteilung des Heus ist schnell und einfach möglich. Wir zeigen Ihnen die einzelnen Schritte zur Qualitätsbeurteilung:
- Prüfung der Farbe: Das Heu sollte grün bis olivgrün und wenig verfärbt sein, selbst nach längerer Lagerung. Ausgebleichte Farbe, Verfärbungen und schimmlige Stellen weisen auf schlechte Qualität hin.
- Prüfung des Geruchs: Das Heu sollte einen typischen aromatischen, blumigen Geruch haben. Sobald das Heu geruchlos oder sogar muffig und schimmlig riecht, kann von einer starken Qualitätseinschränkung ausgegangen werden.
- Prüfung der Struktur und Zusammensetzung: Eine hohe Mischung aus verschiedenen Gräsern und Klee ist besonders vorteilhaft. Erhaltene Knospen und Blüten sowie ein hoher Blattanteil zeugen von einer guten Zusammensetzung des Heus. Es sollte sich dabei weich anfühlen und keine harten Stängel enthalten. Es muss trocken sein und darf weder feucht noch schuppig sein. Geringwertiges Heu ist sehr blattarm und enthält viele harte Stängel, was sich sehr grob und rau anfühlt.
- Prüfung auf Verunreinigung: Schütteln Sie das Heu und beobachten dabei die Staubentwicklung und ob grobe Verunreinigungen durch Steine oder Erde herausfallen. Bei einer hohen Qualität ist die Staubentwicklung gering und es zeigen sich keine Verschmutzungen.
- Weitere Aspekte: Keine Fremdkörper, Kot, oder Erde

Durch die Kontrolle der Heuqualität stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd nur gesundes Heu frisst.
Gesundheitsgefahren durch schlechte Heuqualität:
Heu mit einer geringen hygienischen Qualität kann eine Vielzahl an negativen gesundheitlichen Auswirkungen mit sich bringen. Sehr häufig ist Staub im Heu ein Auslöser für Allergien und Atemwegserkrankungen (Husten, Nasenausfluss, Atemnot), da er teilweise direkt in die Lunge gelangt.
Schimmelpilze reizen die Schleimhäute im Verdauungstrakt und der Lunge. Der Magen-Darm-Trakt reagiert empfindlich auf Verschmutzungen und Pilze, was die Darmflora stören und zu Durchfall und Koliken führen kann. Pilze bilden außerdem Mykotoxine, die Leber- und Nierenschäden hervorrufen und eine Vergiftung auslösen können. Toxine und Schimmelpilze können zudem zu Hufrehe führen.
Strukturreiches Heu fördert die Kauaktivität und damit die Speichelproduktion. Eine hohe Speichelproduktion puffert die Magensäure und ist somit eine wichtige Kolik-Prophylaxe. Älteren Pferden oder Pferden mit Zahnproblemen wird die Nährstoffaufnahme durch zu grobes Heu erschwert. Beobachten Sie Ihre Pferde beim Fressen und werfen Sie einen Blick auf die Körperkondition, um einer Unterversorgung aufgrund von mangelndem Aufspalten der Nahrung vorzubeugen.
Um Ihr Pferd bestmöglich vor Gesundheitsgefahren durch schlechte Heuqualität zu schützen, empfiehlt es sich, regelmäßig selbst die hygienische Qualität nach den oben genannten vier Schritten zu prüfen. Außerdem können Sie sich an ein Futtermittellabor wenden, um die gesamten Nährstoffe, Vitamine und mikrobiologischen Werte bestimmen zu lassen. So gehen Sie sicher, dass Sie nur das beste Heu an Ihr Pferd verfüttern.
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*Dieser Beitrag enthält ausschließlich allgemeine Informationen und bietet keine spezifische tierärztliche Beratung, weshalb er nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Behandlung von Krankheiten verwendet werden darf. Der Beitrag erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der Information garantiert werden. Der Verfasser schließt jegliche Haftung in diesem Zusammenhang aus. Bei medizinischen Anliegen zu Ihrem Pferd und im Ernstfall sollten Pferdebesitzer stets den Rat ihres Tierarzts einholen.