06. August 2025

Interview mit Marlene & Andrea Gepp – Wie Reiten Mutter und Tochter verbindet (Teil 1)

In diesem Interview dürfen wir gleich zwei Gäste begrüßen: Marlene Gepp und ihre Mutter Andrea Gepp sind seit vielen Jahren begeisterte Hobby-Reiterinnen mit eigenem Stall und besitzen drei Haflinger namens Amadeus, Fenja und Pauline. Sie erzählen von ihren Erfahrungen im Umgang mit einem schwierigen Pferd, der Parelli-Instruktion und dem Reiten als Verbindung zwischen Mutter und Tochter.

Seit wann hast du deine Pferde und wie bist du zum Reiten gekommen?

Marlene: Wir haben unsere Pferde seit 15 Jahren und meine ersten Reiterfahrungen habe ich bereits mit drei Jahren gemacht. Unsere Nachbarin hatte einen Reitstall und ich bin einfach dort rüber gegangen und hatte anschließend Reitunterricht. Damals habe ich schon meinem Papa gesagt, dass ich einmal selbst Pferde haben will. Er hat es mir damals aber noch nicht so recht geglaubt und nun haben wir sogar drei.

Was bedeutet das Hobby Reiten für dich persönlich?

Marlene: Es bedeutet mir sehr viel. Ich frage mich immer, was andere Menschen in ihrer Freizeit machen. Mir würde jedenfalls ein großer Teil fehlen. Es ist eigentlich auch nicht nur ein Hobby, sondern eher ein Lebensstil.

Nimmst du an Turnieren oder Wettbewerben teil?

Marlene: Nein, Reiten ist für mich ein reiner Freizeitsport. Ursprünglich wollte ich an Reitertreffen teilnehmen, aber Amadeus war anfangs so schwierig, dass das schier unmöglich war. Er hat mich einige Male aus dem Sattel verloren und daher habe ich entschieden, dass es für Reitertreffen zu kritisch ist.

Ich habe mir dann einen Westernsattel gekauft, in dem Glauben, dass ich nicht so schnell runterfalle. Man fällt aber trotzdem runter – lacht.

Wir haben mit Amadeus dann das Parelli-Training mit Martin Wimmer begonnen.

Aus welchen Gründen war Amadeus so schwierig?

Andrea: Wir waren ein-, zweimal mit einer Trainerin bei dem Zuchtbetrieb und haben ihn schließlich als „Kinderreitpferd“ gekauft, weil er wie ein braves Pferd rüberkam. Zuhause, beim zweiten Mal Reiten ist er dann losgegangen, als würde der Teufel auf ihm sitzen. Er hatte vor allem wahnsinnig große Angst, regelrechte Panik.

In diesem Zuge haben wir uns dann an Martin Wimmer gewendet. Amadeus stand für ein halbes Jahr direkt bei ihm und anschließend hat Marlene an vielen Workshops teilgenommen und auch einige Privatstunden in Anspruch genommen.

Marlene: Er hat immer noch seine Eigenheiten, aber inzwischen funktioniert mit ihm alles sehr gut. Sowohl die Freiarbeit als auch bei Ausritten. Noch dazu kann er sich inzwischen an Pauline orientieren, die immer die Ruhe selbst ist.

Die Parelli-Technik hat uns so begeistert, dass wir uns erst dadurch getraut haben ein Jungpferd zu kaufen und selbst anzureiten. Fenja ist so brav, sie lässt sich einfach nur mit einem Knotenhalfter reiten.

Marlene und Fenja.

Was ist Parelli Natural Horsemanship?

Marlene: Der US-Amerikaner Pat Parelli erschuf das Ausbildungsprogramm Parelli Natural Horsemanship (PNH).

Viele glauben, dass das Parelli-Programm, ein Programm für Pferde ist. Tatsächlich geht es aber in erster Linie um uns Menschen. Es ist kein Reitstil und keine bestimmte Disziplin, sondern vielmehr eine Grundschule für Mensch und Pferd, die auf Vertrauen, Respekt und echter Kommunikation basiert.

Egal ob du nur ausreiten möchtest oder in den Turniersport einsteigen willst, Parelli hilft dir, das natürliche Verhalten deines Pferds besser zu verstehen. Und genau darauf baut man dann eine solide Partnerschaft auf. Du lernst zum Beispiel auch, warum sich Pferde manchmal so „komisch“ verhalten – was aus unserer Sicht vielleicht unlogisch wirkt, macht aus Pferdesicht oft absolut Sinn.

Die Grundlage sind die sogenannten „7 Spiele“. Die kann man vom Boden aus, aber auch im Sattel üben. Sie sind ein richtig gutes Werkzeug, um schwierige Situationen besser zu erkennen und zu lösen, bevor überhaupt etwas passiert. Am Ende geht’s darum, eine Beziehung zum Pferd aufzubauen, die auf gegenseitigem Verständnis beruht.

Wie sieht der Alltag mit den drei doch sehr verschiedenen Pferden aus?

Marlene: Mama geht immer in der Früh zu den Pferden, wobei zweimal in der Woche übernimmt es meine Oma. Mittags werden sie nochmals gefüttert, das erledigt mein Papa nach der Nachtschicht. Am Nachmittag verbringe ich dann Zeit mit ihnen. Einmal im Monat kommt eine Reittrainerin, bei der wir beide Reitunterricht nehmen.

Es ist schon eine Familienaufgabe und anders würde es nicht funktionieren. Wenn Mama, Papa und ich unterwegs sind, sorgt die Oma immer für die drei. Es muss immer jemand am Hof sein, sodass ein gemeinsamer Urlaub eher schwierig ist.

Gibt es bestimmte Ziele, die du mit deinem Pferd verfolgst?

Marlene: Ich bzw. wir wollen eine gute Zeit mit den Pferden haben. Dabei spielt auch wieder Parelli eine Rolle: Man ist intensiv mit dem Pferd verbunden. Unser Verhältnis mit den Tieren soll auf einer Vertrauensbasis beruhen. Das Wohlergehen der Pferde steht an erster Stelle und nicht etwa die sportliche Leistung.

Was als kindliche Begeisterung begann, ist bei Marlene längst zu einem festen Lebensbestandteil geworden. Der Weg war nicht immer einfach, doch gerade die Herausforderungen mit Amadeus haben Marlenes Verständnis für Pferde geprägt. Durch die Arbeit mit der Parelli-Methode entstand eine tiefe Verbindung zu den Tieren. Im zweiten Teil des Interviews – ab 20.08.2025 in unserem Blog verfügbar – erfahren Sie mehr über die Mutter-Tochter-Beziehung beim Reiten und wie Kinder durch Pferde profitieren können.

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