01. Oktober 2025

Pferdedecken richtig auswählen

Das Temperaturempfinden des Pferds unterscheidet sich deutlich von jenem des Menschen. Daher ist es häufig schwer, bei wechselhaften Witterungsbedingungen zu entscheiden, ob das Pferd eine Decke benötigt oder nicht. In diesem Blog-Beitrag beschäftigen wir uns damit, wie die Thermoregulation von Pferden funktioniert, bei welchem Klima sie sich wohlfühlen und welche Decken zum Einsatz kommen sollten.

Die Thermoregulation des Pferds

Thermoregulation bedeutet physikalisch, dass ein Körper seine Kerntemperatur unabhängig von der Außentemperatur konstant halten kann. Die normale Körpertemperatur des Pferds liegt in etwa bei 37,0 bis 38,2 °C. Steigt die Temperatur über diese Werte an, gibt das Pferd überschüssige Wärme an die Umgebung ab, indem es schwitzt und sich die Blutgefäße weiten. Pferde neigen bei Hitze dazu, ihre Aktivität zu verringern, um die Wärmeproduktion zu minimieren. Ein Hitzschlag kann auftreten, wenn die Körpertemperatur über 42 °C steigt. Kreislaufversagen tritt auf.

Ein dickes Haarkleid, wie beispielsweise durch das Winterfell, erschwert die Wärmeabgabe nach außen. Dies hat einerseits den Vorteil, dass Pferde bei tieferen Temperaturen gegen Kälte und rauen Witterungseinflüssen besser geschützt sind, aber auch den Nachteil, dass es länger dauert, bis Pferde nach der Arbeit wieder trocken sind.

Friert das Pferd, stellen die Haarbalgmuskeln das Haarkleid auf. Dadurch bildet sich ein isolierendes Polster, welches das Pferd vor Kälte schützt. Diese Muskelfunktion wird durch eine Decke eingeschränkt. An kalten Tagen stehen Pferde auch gerne dicht bei anderen Artgenossen. Erst bei -10 °C muss das Pferd zusätzlich Wärme produzieren. Ab ca. -15 °C braucht das Pferd eine erhöhte Futterration, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten.

Sie können die funktionierende Thermoregulation Ihres Pferds sehr gut beobachten, wenn Schnee auf dem Pferderücken liegen bleibt und nicht schmilzt. Bei Regen führt eine Talgschicht zum Abperlen des Wassers, ähnlich wie beim Lotuseffekt. Es werden nur die Haarspitzen nass, die Unterwolle und die Haut des Pferds bleiben trocken.

Wann muss ich mein Pferd eindecken?

Pferde fühlen sich grundsätzlich zwischen 5°C und 15 °C am wohlsten.

Die Frage, ob ein Pferd eine Decke benötigt, ist nicht pauschal zu beantworten. Hier sind mehrere Faktoren relevant. Beobachten Sie Ihr Pferd genau und entscheiden Sie gegebenenfalls gemeinsam mit Ihrem Tierarzt, ob Ihr Pferd eine Decke benötigt.

Besonders bei geschorenen Tieren, wo die Isolationsfunktion des hier stark gekürzten Fells fehlt, übernimmt eine Decke diese Funktion.
Bei älteren oder kranken Pferden kann die natürliche Thermoregulation durch (Stoffwechsel-) Erkrankungen reduziert sein. Hier kann eine Decke bei der Thermoregulation unterstützen, sodass der eventuell bereits geschwächte Körper keine zusätzliche Energie für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur aufwenden muss.

Manche Pferde sind generell empfindlicher gegen Kälte und Nässe. Auch hier kann man mit einer Decke das Wohlbefinden des Pferds steigern.

Symbolbild mit Pferdebesitzerin gemeinsam mit ihrem Pferd, das eine Pferdedecke trägt

Die Vielfalt der Pferdedecken: Welche Decke ist für mein Pferd geeignet?

Die Auswahl der richtigen Decke hängt von vielen Faktoren, wie z.B. Größe, Statur, Alter, Außentemperatur und der Nutzungssituation ab.

Es gibt verschiedene Arten von Decken. Dazu zählen:

  • Die Abschwitzdecke: Sie wird verwendet, um Pferde nach dem Reiten oder nach einem Regenschauer abzutrocknen.
  • Die Regendecke kann bei Regentagen und starken Winden verwendet werden. Regendecken gibt es ungefüttert oder mit einer Fütterung und Fleece-Einsatz.
  • Die Winterdecke (oder auch Thermodecke) eignet sich für sehr kalte Tage oder Pferde mit besonderen Bedürfnissen.

Sie können sich anhand folgender Temperaturen orientieren, wann Sie Ihr Pferd mit einer speziellen Decke schützen können:

  • 5 bis 10 °C: Keine Decke, oder eine ungefütterte Regendecke bei gesunden Tieren und leichte Decke bei geschorenen/kranken Tieren.
  • 0 bis 5 °C: Eine Regendecke mit dünnem Fleece.
  • Unter 0 °C: Für gesunde Pferde ist eine Thermodecke bis 150 g Füllung ausreichend, während für geschorene/kranke Tiere eine Decke mit bis zu 300 g Füllung verwendet werden sollte. Dies gilt für alle weiteren Temperaturen unter 0 Grad.
  • Unter – 7 °C: Auch hier ist für gesunde Pferde noch eine Thermodecke bis 150 g Füllung ausreichend.
  • Unter – 15 °C: Verwenden Sie Thermodecken ab 220 g Füllung.

Diese Tabelle dient nur als grobe Orientierung und muss an die individuellen Bedürfnisse Ihres Pferds und die entsprechende Haltungsform angepasst werden. Sprechen Sie hier am besten mit Ihrem Tierarzt!

Pferde können sich aufgrund Ihrer Thermoregulation sehr gut gegen kalte Temperaturen schützen. Eine Decke sollte erst angewendet werden, wenn die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt fallen oder Ihr Pferd spezielle Bedürfnisse, wie z.B. ein geschwächtes Immunsystem aufweist.

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*Dieser Beitrag enthält ausschließlich allgemeine Informationen und bietet keine spezifische tierärztliche Beratung, weshalb er nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Behandlung von Krankheiten verwendet werden darf. Der Beitrag erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der Information garantiert werden. Der Verfasser schließt jegliche Haftung in diesem Zusammenhang aus. Bei medizinischen Anliegen zu Ihrem Pferd und im Ernstfall sollten Pferdebesitzer stets den Rat ihres Tierarzts einholen.

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