Teamarbeit im Weltall revolutioniert die Land- und Versicherungswirtschaft

Hagelversicherung ist in der Nutzung von Satellitendaten Pionier in Europa

Die Österreichische Hagelversicherung bietet ihren Kunden die umfassendste Produktpalette und die modernste Schadenserhebung Europas. Bereits seit mehr als einem Jahr stellt sie ihren versicherten Landwirten ein modernes und in Österreich einzigartiges, satellitengestütztes Tool für das Monitoring ihrer Agrarflächen zur Verfügung. Diese Daten werden auch bei der Feststellung von Schäden nach Naturkatastrophen eingesetzt. Die Satellitendaten werden kostenlos von der ESA über das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus geliefert und von der Hagelversicherung aufbereitet. Die Daten über Anbauflächen aus dem Weltraum verbessern das Risikomanagement für den Versicherer und für die Versicherten. Darüber berichtet ein „Lokalaugenschein“ vor Ort, in der ESA-Zentrale in Frascati (Italien).

Teamarbeit im Weltall bringt hochauflösende Daten zu Boden

Alle drei Tage wird die Erde komplett gescannt. Möglich gemacht wird das durch die Sentinel-Satelliten-Familie: Insgesamt 7 Satelliten sind aktuell auf Beobachtungstour im Weltall unterwegs und setzen dabei auf echte Teamarbeit. Gestartet wurde mit der Sentinel-1 Reihe bereits im Jahr 2014. Die Satellitenmission besteht in Summe aus fünf Serien, die letzte – Sentinel 5 – soll 2020 gestartet werden. Der bisher letzte der Sentinel-Baureihe, Sentinel 3B, wurde im Mai 2018 in den Orbit lanciert. Die Mission sieht dabei vor, dass jeweils zwei Satelliten einer Serie betrieben werden, um die Datenkontinuität und eine bessere Abdeckung der Erdoberfläche gewährleisten zu können. Die neue Errungenschaft, das „Ehepaar“ Sentinel 3A und 3B, widmet sich vor allem der Vermessung von Veränderungen der Erdoberfläche und der Ozeane. Generell liefern die Satelliten wichtige Erkenntnisse für Umwelt, Klimaschutz, nachhaltige Entwicklung, Landwirtschaft, humanitäre Hilfe und sicherheitsrelevante Themenstellungen.

Vorteil Europa

„Unsere Bilder ergeben im Vergleich zu „Landsat 8“ der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA aufgrund einer höheren Auflösung genauere Informationen. Europa ist heute in einigen Programmen weltweit führend. Aber wir müssen der europäischen Wirtschaft weiterhin helfen, um mit amerikanischen Unternehmen mithalten zu können. Vor allem im Bereich der automatisierten Analyse von großen Datenvolumen. Fakt ist aber: Wir bekommen sehr wertvolle Umweltdaten. Damit kann das Leben der Menschen verbessert, die Wirtschaft angekurbelt und die Umwelt geschützt werden. Dass die Hagelversicherung die Satellitendaten zur routinemäßigen Verwendung durch die Landwirte nutzt, ist einzigartig, weitsichtig und zukunftsorientiert”, ist Dr. Josef Aschbacher, Chef der europäischen Weltraumagentur (ESA) und somit „ranghöchster“ Erdvermesser, von den bislang gelieferten Daten und Bildern sowie von der Umsetzung in der Praxis begeistert. Der gebürtige Tiroler bleibt dabei aber bodenständig und in gewisser Weise auch demütig vor der Schöpfung der Natur: „Man arbeitet mit der Natur und in der Natur. Man sieht, dass der Lebensraum von Menschenhand vielerorts zerstört wird. Wenn Astronauten auf die Erde runterschauen, sagen sie, dass die Erde wunderschön ist, aber auch sehr zerbrechlich. Wir spielen mit unserem Lebensraum, wir zerstören auch unseren Lebensraum. Wir schädigen unsere Lebensgrundlage! Das ist ein massiver Eingriff und gibt zu denken. Der Schutz unserer Lebensgrundlage Boden muss aber oberste Priorität haben. Er ist ein Kulturgut und höchst schützenswert!“ Das ist zugleich auch ein Anknüpfungspunkt an die Österreichische Hagelversicherung, deren Chef, Dr. Kurt Weinberger, in dieselbe Kerbe schlägt: „Als Naturkatastrophenversicherer fordern wir einen bewussteren Umgang mit unserer natürlichen Ressource Boden, um auch weiterhin wunderschöne Bilder von unserem Planeten zu bekommen. Vieles wurde ohnehin schon unwiederbringlich für künftige Generationen zerstört. Wir müssen den Rest erhalten.“

Daten aus dem Weltall leisten einen Beitrag zum Risikomanagement

Der Klimawandel ist ein Faktum. Umso wichtiger ist es, die gelieferten Daten auch für jene entsprechend nutzbar zu machen, die vom Klimawandel als erste und am stärksten betroffen sind: die Landwirte. „Zu erwarten ist in Zukunft ein weiterer Anstieg von Stürmen, Überschwemmungen, Hitze- und Dürreperioden. Und zwar in Häufigkeit und Intensität. Die Auswirkungen sind dramatisch. Extreme Trockenperioden gefährden nicht zuletzt die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln und zwar national, kontinental und global“, so Weinberger. „Daher ist es erforderlich, das Risikomanagement in der Landwirtschaft stets zu optimieren. Einerseits durch umfassende Ernteversicherungen und andererseits durch den Einsatz von modernsten Technologien, wie etwa die Verwendung von Daten über Anbauflächen aus dem Weltraum. So werden die Folgen des Klimawandels für Österreichs Landwirte kalkulierbarer und frühzeitig erkennbar.“

Dr. Josef Aschbacher und Dr. Kurt Weinberger

Hightech in der Hagelversicherung 

Die von der Hagelversicherung aufbereiteten Satellitendaten ermöglichen dem Landwirt, den Pflanzenwuchs auf den Feldern über die gesamte Vegetationsperiode hinweg zu beobachten. Anhand der Einfärbung (grün bis braun) ist der Grad des Pflanzenwachstums ersichtlich. Je grüner, desto stärker ist der Pflanzenwuchs. In einem Diagramm wird der zeitliche Verlauf des Pflanzenwachstums an einer frei wählbaren Stelle dargestellt, sodass die gesamte Vegetationsperiode an verschiedenen Stellen verglichen werden kann. In Folge können gezielt Maßnahmen gesetzt werden, hinsichtlich der Optimierung des Einsatzes von Betriebsmitteln, Bewässerung etc. Dazu Weinberger: „Ziel ist es, ein Instrument bereitzustellen, das den Unternehmenserfolg eines Betriebes steigert und Landwirte auf dem Weg zur Landwirtschaft 4.0 unterstützt. Um die gewaltigen Datenmengen aber auch entsprechend nutzbar zu machen, braucht es Hightech und die Expertise im Unternehmen. Diese haben wir uns mit einem eigenen Geoinformatiker und Satellitenexperten, Dipl.-Ing. Nikolaus Neugebauer, geholt.“ Generell steht das Projekt aber erst am Beginn einer Vielzahl von nutzenbringenden Anwendungsmöglichkeiten, die in Zukunft aufkeimen werden. In der Schadenserhebung werden die Bilder bereits von der Österreichischen Hagelversicherung, insbesondere in den osteuropäischen Ländern, nutzbringend und sehr erfolgreich eingesetzt.

Normalized Differential Vegetation Index – NDVI einfach erklärt und aufbereitet

Neue Aufnahmen desselben Ortes erfolgen etwa alle drei Tage. Lediglich bei starker Bewölkung ist keine Aufnahme möglich. Ein Analyseverfahren des Bildes lässt das Pflanzenwachstum erkennen. „Die Grundlage der Darstellung ist ein Vegetationsindex (Normalized Differential Vegetation Index – NDVI), der aus den Satellitendaten berechnet wird. Anhand der Einfärbung sieht man die Unterschiede im Pflanzenwuchs der jeweiligen Region. Je grüner desto stärker ist der Pflanzenwuchs, je mehr die Farbe ins Braune und Beige übergeht, desto weniger Wuchs ist vorhanden und Ertragsausfall gegeben. Weiße Flächen im Bild zeigen Wolken, diese verdecken die Felder und verhindern somit die Sicht vom Satelliten auf das Feldstück. Zusätzlich kann über eine Diagrammfunktion der Verlauf des Pflanzenwuchses während der letzten Monate dargestellt werden“, so Dipl.-Ing. Nikolaus Neugebauer, Satellitenexperte in der Abteilung für Meteorologie und Geoinformation der Österreichischen Hagelversicherung.

Der Blick auf das große Ganze

„Der Blick von oben prägt das Leben. Das bestätigen mir die Astronauten. Unsere Erde hat Fantastisches zu bieten. Zugleich müssen wir mitansehen, wie es der Mensch selbst zunichtemacht. Braune Massen von verschmutzten Flüssen, die ins Meer fließen. Das berührt viele! Bemerkenswert ist aber die Erdatmosphäre. Aus der Entfernung wird einem erst klar, dass sie wie eine dünne und zarte Schutzschicht den Erdball umhüllt. In diesem Moment wird einem auch die Verletzbarkeit unseres Planeten bewusst“, gibt Aschbacher die Schilderungen und Eindrücke der Astronauten wieder. Mit den gelieferten Satellitendaten laufen aber bereits vielversprechende Projekte, vor allem im Zusammenhang mit der Klimaforschung. „Durch den offenen und kostenlosen Zugang zu diesen Daten für alle („Open Data Politik“) werden in den nächsten Jahren neben Wissenschaft und Forschung viele weitere Bereiche wie die Wirtschaft oder eben auch die Landwirtschaft profitieren“, so Aschbacher. Die Österreichische Hagelversicherung hat diesen Trend bereits jetzt erkannt, indem sie ihren versicherten Mitgliedern aufbereitete Satellitendaten zur Verfügung stellt, um den Betriebserfolg zu steigern und das Risiko von Unwetterfolgen zu managen und zu vermindern. „Unser Auftrag ist und bleibt, den versicherten Landwirten ein umfassendes Risikomanagementtool anzubieten, weil wir als Naturkatastrophenversicherer die zunehmend professionalisierte Landwirtschaft mit neuesten Technologien unterstützen wollen“, ergänzt Weinberger. Und was die Zukunft betrifft, geben beide zu bedenken: „Wir müssen zuerst die Probleme auf der Erde in den Griff bekommen, bevor wir an eine allfällige Reise zum Mars und eventuell sogar an eine dortige Besiedelung denken. Es macht keinen Sinn, unseren eigenen Planeten zu zerstören, um in weiterer Folge dorthin zu flüchten. Sinn macht, mit den Forschungsergebnissen aus dem Weltall Erkenntnisse abzuleiten, um den eigenen Planeten besser zu verstehen und letztendlich zu beschützen!”

Versicherte Landwirte können das Satellitenservice der Österreichischen Hagelversicherung mit ihren Zugangsdaten nutzen.